Die Bilder im Salon

Joana findet es auf Echo-Hall schrecklich langweilig. Darum spielt sie Forscherin und geginnt, das Haus zu erkunden. Dieses Spiel wollte Joana ausmöglichst lange spielen.

 

Darum beschloss Joana, ihre Erforschung sehr langsam zu betreiben, um das Spiel so möglichst lange auszudehnen. Sie wollte so vorgehen, wie ein Forscher machen würde: Ganz bedächtig, aber dafür gründlich. Sie begann mit dem Salon, ihrem Studierzimmer


Dieses Zimmer kannte sie zwar schon, aber bisher hatte sie nie Zeit gehabt, sich hier genauer umzusehen. Eigentlich kannte sie es noch gar nicht richtig. Hier saß sie zwar mit Tante Hilda jeden Vormittag an einem Tischchen und lernte, doch sie saß immer so, dass sie die Terrasse und den Garten vor der Glastür vor sich hatte. Das Zimmer in ihrem Rücken hatte sie immer nur flüchtig wahrgenommen. Bis jetzt.

Ein Salon war in der besseren Gesellschaft ein elegantes Wohnzimmer. Es diente aber weniger dem Familienleben, das fand eher im „cabinet“ statt. Ein Salon war repräsentativ. Hier empfing man Besuch, den man beeindrucken wollte. Etwas später reservierte das Bürgertum einen Raum für den selben Zweck und nannte ihn „gute Stube“. Wie sah aber so ein repräsentative Zimmer wohl aus?

 

Der Raum war recht altmodisch, aber hübsch. Eine Tapete mit blauen Grashalmen und Rohrkolben an der Wand erweckte den Eindruck, als wäre man in einem Sumpf oder Moor. Die Möbel hingegen erinnerten Joana an ein Bilderbuch daheim, das von einer Prinzessin handelte. Da war eine zierliche, geschwungene Kommode mit Füßen, die in Löwenpranken endeten, aus honighellem Holz mit schwarzen Leisten.

Was mochte darin sein? Joana öffnete die Tür. Sie fand einen Korb mit Garnen, einem Nadelkissen und Stickrah-men. In einem anderen Fach waren Blumenscheren, Draht und etwas, was Joana nicht erkannte. Es waren mehrere schwer Metallplatten, in denen dicht an dicht spitze Nägel steckten. War das das Bett für einen winzigen Zwergenfakir? Hinter der anderen Tür waren Vasen in verschiedenen Formen und Größen versteckt. Viele sahen so aus, als kämen sie aus Japan.

An der einer der Wände stand ein Schreibsekretär in ähnlicher Art mit einem Aufsatz darauf, der zwölf kleine Schubladen enthielt. Die meisten Schubladen enthielten alles, was man zum Briefeschreiben brauchen konnte: Stifte, Federhalter, Tinten in verschiedenen Farben, ein Siegel und Siegellack, Briefpapier in hellblau und weiß und Umschläge in verschiedenen Farben. Auch Brieföffner, einen Locher, Klammerapparat und Lineale fanden sich, Radiergummis, Büroklammern und Klebstoff ebenso. Die zwei untersten Schubladen enthielten Buntstifte und Wachsmalkreiden.

Auch Bilder gab es hier, wie fast überall im Haus. Neben der Tür hingen kleine Bilder von wuscheligen Schafen und rosigen Schäferinnen, doch ein großes Bild hing über dem Schreibschränkchen. Es zeigte ein Stück Ufer an einem See oder Teich, wo drei nackige Damen sich mit großen weißen Tüchern abtrockneten. Sie lachten und hatten offenbar viel Spaß. Am schönsten fand Joana aber die Ente in schillerndem Federkleid, die am Bildrand schwamm.

Über einer Kommode hing ein Bild, auf dem drei Mädchen, vielleicht sogar dieselben, unter einem Baum mit einem jungen Burschen inmitten von Blumen und Schafen saßen. Sie hatten einen Korb und veranstalteten ein Picknick. Joana sah Kirschen, Äpfel und Beeren, Käse und einen großen Laib Brot. Auch Trauben gab es, Melone und sogar ein gebratenes Huhn.

 

Wir werden Bilder von shampoonierten Schafen kennenlernen, und falsche Schäferinnen und Schäfer.

 

Und wir werden uns mit Nackedeis befassen.