Joanas Schlafzimmer –

 

das Bild von Echo-Hall mit der Viehweide

In Joanas Zimmer hängt ein Bild, das Echohall zeigt.

 

Das Bild in ihrem Schlafzimmer hatte Joana die letzten Tage immer nur flüchtig betrachtet, beim Aufstehen und beim Schlafengehen. Es war hübsch, aber weder besonders interessant noch aufregend. Eine nette Dekoration an der Wand, aber kein echter »Hingucker«, wie die Poster von Filmstars, die sich manche ihrer Freundinnen an die Wände gehängt hatten. Es war nur die Wiese vor Echo-Hall und darauf allerlei Bauernhoftiere.

 

Darnaut_Flusslandschaft

Dieses Bild kommt dem, was ich mir vorstelle schon recht nahe. Stell Dir links statt der Bäume das Haus Echo-Hall vor und ein paar Schafe auf der Wiese vor und du hast einen guten Eindruck von dem Bild, wie ich es mir vorgestellt habe.

 

Hugo Darnaut:

Flußlandschaft mit kleiner Rinderherde und Dorf im Hintergrund

1937 Öl auf Holz, 45 cm x 61.5 cm

In Privatbesitz

Auch dieses Bild kommt meiner Vorstellung nahe. Es fehlt nur der Bach und die Tiere.

Sándor Brodsky: Schloss Gödöllö

1869, Öl auf Leinwand, Maße unbekannt

Schloss Gödöllö, Ungarn

 

Es gibt sehr viele Bilder der Art, wie ich es beschrieben habe. Meist gelten sie nicht als große Kunstwerke und die großen Museen interessieren sich nicht so sehr dafür.

 

Es sind sozusagen Portraits der Landhäuser. Wer es sich leisten konnte, baute sich ein großes Haus auf dem Lande und ließ darum herum einen Landschaftsgarten anlegen. Wenn dies gelungen war, bildeten Haus und Park eine sehenswerte Einheit. Diese Bilder sind also meist Werke, die stolze Besitzer in Auftrag gaben.

Brodsky_Gödöllö

Wer malte diese Bilder? Das obere ist ein recht bekannter Maler, wenn er auch nicht berühmt wurde. Er war „Spezialist für Landschaften“. Wenn aber um die Bilder von noblen, großen Häusern in ihren Parks geht, sieht es oft anders aus. Es waren da eher selten die ganz großen Künstler. Die konnten in ihren Ateliers bleiben und warten, bis Kunden zu ihnen kamen. Oft waren es weniger berühmte und vor allem junge Künstler. Die reisten oft durchs Land und suchten Arbeit. Oft kamen sie auf solchen Landsitzen für ein paar Wochen unter. Für wenig Geld und freie Kost und Logis malten sie dann Portraits oder Stillleben, auch religiöse Bilder, ganz, was der Hausherr bestellte, oder auch diese Bilder von den Landsitzen.

 

Manche der Bilder sind auch Werke von „Hobby-Malern“. Malen und Zeichnen gehörte im 18. und 19 Jahrhundert zum festen Ausbildungsprogramm von jungen Menschen der guten Gesellschaft. Vor allem für Damen war es ein beliebter Zeitvertreib. Natürlich sind dabei auch oft solche Bilder entstanden.