Das Musikzimmer –

 

Das Bild vom Konzert

 

Bei entdeckt Joana im Musikzimmer auch Bild, das ein Konzert zeigt.

 

Das andere Bild zeigte einen Konzertsaal mit großem Lüster, in dem eine junge Dame an einem Flügel saß und vor den Leuten spielte. Joana schaute es sich eine ganz Weile an. Es war sonderbar und sehr schön und stimmungsvoll gemalt, obwohl es in vielfacher Hinsicht unklar war. Die Leute hatten zum Beispiel keine erkennbaren Gesichter. Es war ein wenig wie bei einem unscharfen Foto … und doch ganz anders.

 

Musik gehört zu den schönen Künsten und immer schon malte man musizierende Menschen. Doch leider sahen lange Zeit die Abgebildeten recht statisch aus. Es waren Modelle, denen man als Requsite ein Musikinstrument in die Hand gedrückt hatte. Nur wenige Ausnahmen schafften es ein wenig der Charakter der gespielten Musik zu vermitteln. So zum Beispiel bei der „Fete Galante“ von Pussin, ein Bild, das wir bei den Schäferspielen schon betrachtet haben.
Ein weiteres Bild, das sehr gut die die Stimmung eines Konzertes einfällt, ist dieses:

 

Adolph von Menzel:

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci
zwischen 1850 und 1852, Öl auf Leinwand 142 × 205 cm
Alte Nationalgalerie, Berlin

 

An dieses Bild habe ich vor allem gedacht, als ich Joana das Musikzimmer erforschte. Zugleich dachte ich aber auch an den Impressionismus.

 

Menzel war zu seiner Zeit ein sehr berühmter und bewunderter Maler. Er war Preuße und wegen seiner Bilderserie, die den großen Preußenkönig, den „alten Fritz“, sehr sympathisch und mit Bewunderung aber ohne Verklärung zeigte, galt der als der „preußische Nationalmaler“.

 

Ich habe Dir übrigens schon ein Bild von ihm auf diesen Internetseiten „untergejubelt“. Es ist das Bild auf der Seite „bei Tante Hilda“, das einen Blick in ein Wohnzimmer zeigt, aus dem die Schwester des Künstlers kuckt. Das andere Bild zeigt, dass Menzel durchaus vielseitig war.

Dieses Bild gehört zu dieser Reihe. Menzel selbst gehört  nicht zu den Impressionisten. Zu sehr ist er bemüht, jedes Detail exakt und wirklichkeitsgetreu einzufangen. Und doch bereitet er den Impressionisten den Weg. Bei aller Detailversessenheit verliert er nie die Stimmung der Szene aus dem Blick.

 

Wir blicken in einen prächtigen Rokoko-Festsaal mit quadratischen Bodenkacheln, erleuchtet von einem großen Kristalllüster der sich in einem großen Spiegel der Rückwand zu verdoppeln scheint.


Wir sehen Den Preußenkönig im Zentrum stehen, wie er Flöte spielt. Rechts sitzen die begleitenden Musiker und links das Publikum aus der Hofgesellschaft. Man kann viele der dargestellten Personen identifizieren, doch das Bild versteht man auch ohne diese Information.

 

Es ist das Licht, das Menzel hier bewundernswert benutzt. Der warme, weiche Schein der Kerzen taucht die Szene in ein honiggelben Schimmer. Dies und die Haltung der Zuhörer lassen die Szene lebendig werden und man kann die Musik erahnen, die gespielt wird. Es ist ein festliches Konzert, heiter, aber nicht ausgelassen, unbeschwert und zum Rahmen passend – es findet auf Schloss Sanssouci statt, dem Schloss ohne Sorge.

 

Als die Kunst etwas Später im Impressionismus versuchte die Stimmung des Augenblicks einzufangen, war das Thema Musik natürlich sehr verlockend. Der Versuch, in einem Bild auch das einzufangen, was ein Musikstück beim Hörer auslöst, war für Impressionisten, aber nicht nur für sie eine Herausforderung.

Edgar Degas: Im Konzertcafé »Les Ambassadeurs«

 1876-1877, Pastell auf Monotypie 37 cm x 27 cm

 Musée des Beaux-Arts, Lyon

 

Degas stand den Impressionisten zwar nahe, war eigentlich aber keiner. Dies ist ein Bild in einer Mischtechnik. Zuerst wurde ein das Bild in feuchter Farbe auf eine Glas-oder Maetallplatte gemalt und dann noch feucht mit einem Paper belegt. Eine Druckerpresse überträgt die Farbe aufs Papier. Degas hat dann den Abklatschdruck mit Pastellkreiden nachbehandelt. Soviel zur ungewöhnlichen Technik.

 

Die Szene spielt wohl im Garten unter Bäumen. Beleuchtet wird das Bild von Lampions . In einem Pavillon wird von einigen Damen etwas aufgeführt. Die Hauptperson, eine Sängerin im roten Kleid, steht an der Rampe und greift mit ausladender Geste ins Publikum. Im Vordergrund sehen wir Publikum, davor ein unruhiges Orchester. Im rechten Hintergrund ahnt man weiter Zuhörer mehr, als dass man sie klar erkennt.

 

Es ist nicht ruhig auf dem Bild. Im Vergleich zum Bild bei Menzel herrscht hier ein turbulentes Durcheinander. Die Musiker spielen offenbar ein Stück, das sie auch körperlich mitreißt. Es scheint eng zu sein. Das Bild wirkt sehr gedrängt. Der Bildausschnitt kann nur einen Teil der Szenerie aufnehmen.

 

Das Bild lässt einen gut spüren, wie es da zugeht: Laut, ausgelassen. Hier geht es nicht so sehr um Musikkunst, es geht um Unterhaltung, Lust und Nachtleben.

Wassily Kandinsky: Impression III (Konzert)

1911, Öl auf Leinwand, 78,5 cm x 100,5 cm

Städtische Galerie im Lenbachhaus, München

 

Ich möchte noch einen Blick weit nach vorn werfen, zum Expressionismus. Hier werden die Formen schon zum Teil aufgelöst und es kommt nun verstärkt auf Farben an und den Rhythmus, den man im Bild findet.

 

Dieses Bild hat keinen Namen, der einem sagt, was man sieht. Statt „Badende Venus“ oder „Anbetung der Hirten“ teilt der Haupttitel nur mit: Impression III. Der Untertitel ist wenigstens genauer. Da heißt es dann „Konzert“.

 

Ich will das Bild nicht beschreiben. Man kann manchmal auch Sachen mit zuvielen Worten kaputt machen.

 

 

 

Doch auf zwei oder drei Sachen will ich Dich aufmerksam machen: Zum einen kann man erkennen, dass der Pinsel vor allem von rechts oben nach links unten geschwungen wurde. Erzeugt das nicht einen gewissen Rhythmus, ähnlich wie ein Schlagzeug im Hintergrund?

 

 

Sieht man Menschen? Man sieht nur Farbflecke, die wir großzügig als Menschen identifizieren, weil wir gewohnt sind, Menschen zu sehen.

 

 

Zum Schluss: Das Gelb! Es ist im Bild sehr mächtig. Dass Kandinsky der Farbtopf umgefallen ist, ist eine nette Vorstellung, aber absurd. Es wurde sicher sehr bewusst so ins Bild gesetzt. Es soll also auf den Betrachter wirken.

 

Lass das Bild einfach auf die wirken. Nimm es mit den Augen und der Seele auf und höre in Dich hinein, was es bei Dir auslöst. Es hat seinen eigenen Zauber, findest Du nicht?